Freelancer:innen, die in den Niederlanden weniger als 36 € pro Stunde verdienen, könnten bald gesetzlichen Schutz erhalten. Die Regierung treibt ein Gesetz voran, das die Beweislast darauf legt, ob jemand wirklich selbstständig ist.
Nach dem Entwurf von Minister Eddy van Hijum gelten Freelancer:innen, die unter 36 € pro Stunde bezahlt werden, zunächst als Angestellte – es sei denn, das Unternehmen beweist das Gegenteil. So sollen falsch eingestufte Arbeitskräfte erfasst werden, die eigentlich Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Kündigungsschutz haben. Die Schwelle wird jedes Jahr überprüft und entsprechend dem niederländischen Mindestlohn angepasst.
Das Gesetz soll im Juli 2026 in Kraft treten und zielt auf die Grauzone unter den 1,3 Millionen Selbstständigen im Land. Flexibilität soll nicht länger auf Kosten von Sicherheit gehen, betont die Regierung.
Ein klarerer Kompass für moderne Arbeitsbeziehungen
Besonders an der Regelung ist, dass sie nicht bei einer Preisgrenze stehenbleibt. Sie führt zudem genauere Kriterien ein, um zu bestimmen, was Freelance-Arbeit eigentlich bedeutet. Werdet ihr vom Auftraggebenden kontrolliert? Übernehmt ihr unternehmerisches Risiko? Könnt ihr euren Zeitplan frei wählen oder eigene Kund:innen gewinnen? Solche Faktoren entscheiden künftig, ob jemand wirklich selbstständig ist oder nur so bezeichnet wird, um Arbeitsrecht zu umgehen.
Die niederländische Steuerbehörde weitet ihre Kontrollen bereits aus, und Unternehmen, die Freelancer-Verträge missbrauchen, müssen bald mit Konsequenzen rechnen. Ziel ist fairer Wettbewerb, damit Betriebe nicht durch das Umgehen von arbeitsrechtlichen Pflichten Preise drücken.
Schutz über Grenzen hinweg
Während die Niederlande die Regeln gegen Scheinselbstständigkeit verschärfen, bringt das neue Gesetz Herausforderungen und Schutzmechanismen, die über Landesgrenzen hinausgehen. Deutsche Firmen, die niederländische Freelancer:innen unterhalb der Schwelle beschäftigen, könnten niederländischen Arbeitsvorschriften unterliegen – was Vertragsprüfungen, Steueranpassungen oder Änderungen in der Kundenbeziehung nach sich ziehen kann.
Für deutsche Freelancer:innen kann das Gesetz ein Sicherheitsnetz bieten. Wer mit niederländischen Auftraggebenden arbeitet, erhält womöglich einen rechtlichen Hebel, um Fehlklassifizierung anzufechten und faire Bedingungen einzufordern.
Die Welt des Freelancings verändert sich rasant – und die Niederlande könnten dabei den Kurs vorgeben.
